Veröffentlicht von omahabitch um 17:27 Uhr in Asiawochen, Reviews | 2 Kommentare

ISawTheDevil02 Asiawochen bei fimabend.info: I Saw The Devil Review

Obwohl Jee-woon Kim sich in der Rezeption durch das internationale Publikum noch nicht ganz aus dem Schatten seines übermächtigen koreanischen Kollegen Chan-wook Park befreien konnte, kann sich sein bisheriger Output sehen lassen. Mit dem Mystery Thriller A Tale Of Two Sisters, dem stylishen Gangster-Crime-Drama A Bitterweet Life und der durchgeknallten Westernhommage The Good, The Bad and the Weird wanderte Kim zwischen verschiedenen Genres, um sich nun mit seinem neuesten Film, I Saw The Devil, dem wohl populärsten Bereich des koreanischen Kinos zu widmen: dem Rachethriller. I Saw The Devil ist dabei ein eigenständiger Beitrag in dieses Genre, der zugleich als eine adrenalingetränkte Parodie daherkommt.

Kyung-Chul (Oldboy-Star Min-Sik Choi) ist ein Serienkiller aus Leidenschaft. Mit seinem Schulbus macht er sich nachts auf die Suche nach einsamen Frauen, um sie kurzerhand per Hammerschlag auf den Kopf zu betäuben und später in seinem Versteck auseinanderzunehmen. Als er sich bei einem seiner Streifzüge die Frau des Polizisten Kim Soo-hyeon (Byung-Hun-Lee) als Opfer aussucht, macht dieser Jagd auf Kyung Chul. Was klingt wie der Aufguss eines billigen amerikanischen Actionfilms aus den 80er Jahren, wird von Kim bald thematisch auf den Kopf gestellt. Statt einer 90minütigen Jagd mit finalem Showdown lässt er die beiden Kontrahenten schon nach wenigen Muten aufeinanderprallen – mit dem besseren Ende für den Polizisten. Doch anstatt seinen Rachegelüsten freien Lauf zu lassen und dem Killer den kurzen Prozess zu machen, beschliesst dieser seine Rache noch länger auszukosten. Er versieht den bewusstlosen Killer mit einem Peilsender und hetzt diesen nun kreuz und quer durch die Stadt, um ihm bei jedem Aufeinandertreffen erneut große Schmerzen zuzufügen.

Dieser kleine Plottwist sorgt für zweieinhalbstündige, extrem kurzweilige Unterhaltung. Auch formal begnügt sich Jee-woon Kim nicht mit den Standards des Genres. Während der Polizist und Rächer in der ersten halben Stunde des Films noch Protagonist und Identifikationsfigur ist, wechselt die Perspektive bald auf den Killer, der nun ebenso zum Opfer wird wie seine weiblichen Opfer. Das hätte leicht nach hinten losgehen können, gelingt aber wunderbar, was neben Kims sicherer Regie vor allem der brillanten darstellerischen Leistung von Min-sik Choi zu verdanken ist, der seine Paraderolle in Oldboy hier sogar noch einmal toppen kann.

Mit I Saw The Devil demonstriert Jee-woon Kim die Stärken der modernen koreanischen Kinos. Optisch und technisch geht der Film weit über den Standard der derzeitigen Hollywoodfilme hinaus, es wird mit Kameraperspektiven und –fahrten experimentiert, die Actionszenen sind professionell und mitreissend choreographiert und gefilmt. Wie so oft bei koreanischen Filmen wechselt der Ton oft zwischen düsterem Thriller und leichteren Action- oder sogar Comedypassagen, die aber nie in den Slapstick abdriften. Auch wenn I Saw The Devil inhaltlich nie die Tiefe und den Anspruch in der Auseinandersetzung mit dem Thema Selbstjustiz und ihre Konsequenzen erreicht wie beispielsweise die Rachetrilogie von Chan-wook Park oder The Chaser (Review), wird nicht leichtfertig mit der Materie umgegangen. Am Ende ziehen sich sogar düsterste Dramatöne durch das wilde Actionspektakel und machen den bis dahin „nur“ unterhaltsamen (das aber auf höchstem Niveau) Actionfilm zu einem handfesten Rachedrama.

I Saw The Devil ist ein absolutes must-see für Freunde des asiatischen Kinos und markiert den bisherigen Höhepunkt in Jee-woon Kims Karriere.

8/10

Trailer

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2 Kommentare zu “Asiawochen bei fimabend.info: I Saw The Devil Review”

    • Philipp sagte am 04. April 2011 um 19:52 Uhr

    • Hachja, das asiatische Kino. Seit Jahren kämpfe ich damit und werde einfach nicht warm. Ich hab mal in Erwägung gezogen, „I Saw The Devil“, anzugucken, aber dann sollte ich doch vorher (nochmal) „Oldboy“ und dann „The Good, the Bad, the Weird“ schauen – und das kostet Überwindung. :biggrin:

    • omahabitch sagte am 06. April 2011 um 16:24 Uhr

    • Oldboy ist sicher Geschmackssache, I Saw the Devil ist ein relativ geradliniger Actionthriller. Vom Stil her gut zu vergleichen wie The Good, The Bad and The Weird nur ernster und härter. Aber wennd er dir auch nicht zugesagt hat wirds wohl auch mit I Saw The Devil schwer :)





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