HinterKaifeck

Die deutsche Filmindustrie ist ja nicht gerade für spannende Thriller- oder Horrorfilme bekannt, das überlässt man lieber den Amerikanern, obwohl Filme wie Tattoo, Das Experiment und Antikörper durchaus gezeigt haben, dass ab und an auch hierzulande interessante Thrillerproduktionen entstehen. Hinter Kaifeck ist zumindest an der Oberfläche ein durchaus solider Mystery-Thriller, der sich an internationalen Standards messen lassen kann.

Auf der Suche nach Motiven für sein Buch über bayerische Bräuche und Traditionen verschlägt es den Fotografen Marc (Benno Fürmann) mit seinem Sohn in das abgelegene bayerische Dorf Hinterkaifeck. Bald wird er von kryptischen Alpträumen und Visionen geplagt, die in Verbindung mit einem grausamen Mord zu stehen scheinen, der sich hier vor 80 Jahren ereignet hat.

Hinter Kaifeck versteht es von Anfang an, eine intensive und unheilvolle Stimmung aufzubauen, und verzichtet dabei erfreulicherweise auf zu viele vorhersehbare Schockmomente. Der Gruselfaktor ergibt sich hier eher aus der ruhigen Erzählweise in Verbindung mit den grauen Bildern des ständig von dichten Nebelschwaden umgebenen Dorfes. Die rätselhaften Visionen der Hauptfigur sorgen schnell für Suspense und es dauert nicht lange bis dem Zuschauer die einzelnen Puzzlestücke präsentiert werden, die das Rätsel um Marcs Verbindung mit dem Mordfall Stück für Stück offenbaren.

Die Regisseurin Esther Gronenborn ergänzt das Ratespiel durch eine beeindruckende Bildästhetik, vor allem die bedrohlichen Traumszenen werden audiovisuell hervorragend inszeniert, handwerklich braucht Hinter Kaifeck hier keinen Vergleich mit Hollywood zu scheuen. Leider ist Benno Fürmann mit seiner Rolle im Gegensatz zu Alexandra Maria Lara, die hier wie gewohnt eine solide Vorstellung abliefert, sichtlich überfordert. Er wirkt hölzern und unsympathisch, in den Dialogen hat man fast das Gefühl er würde seinen Text ablesen.

Darüber hinaus geht Hinter Kaifeck nach dem großen Twist leider schnell die Luft aus. Auch wenn die Lösung des Rätsels noch durchaus Sinn macht, kippt der zuvor so angenehm atmosphärische Grusler schnell in altbekannte Action und abgedroschene Klischees. Das ist schade, weil der Film das eigentlich gar nicht nötig hätte. So bleibt Hinter Kaifeck ein vor allem zu Beginn spannender und handwerklich beeindruckender deutscher Thriller auf internationalem Niveau, der inhaltlich aber leider nichts Neues zu bieten hat. 6,5/10

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District 9

Südafrika gilt unter Europäern heute weithin als Urlaubsparadies, dessen blutige Apartheitsgeschichte spätestens seit Nelson Mandela weit weg scheint. Dass das Land noch immer mit den Auswirkungen der jahrzehntelangen Rassentrennung zu kämpfen hat, vergisst oder verschweigt man dabei gerne, indem man die unzähligen Ghettos und Townships, in denen ein großer Teil der schwarzen Bevölkerung noch heute lebt, einfach ignoriert. Der südafrikanische Werbefilmer Neill Blomkamp, der schon mit einem international bekannten Citroen Werbespot seiner Science Fiction Affinität Ausdruck verlieh, verarbeitete die Missstände in seinem Heimatland vor einigen Jahren mit dem Kurzfilm Alive In Joburg. In Form einer Mockumentary wird statt der schwarzen Bevölkerung eine außerirdische Rasse Opfer der Apartheit. Die intelligente Kombination von Science Fiction und Sozialkritik brachte ihm nicht nur ein Engagement als Regisseur der Computerspielverfilmung Halo ein, sondern erregte auch die Aufmerksamkeit keines geringeren als des Erfolgsregisseurs und -produzenten Peter Jackson. Während aus der Sache mit Halo abgesehen von einem durchaus beeindruckenden Promospot leider nichts wurde, und Blomkamp seine Rückkehr zu dem Projekt mittlerweile kategorisch ausschließt, entstand aus der Zusammenarbeit mit Peter Jackson nun District 9, eine abendfüllende Adaption seines Kurzfilms.

Johannesburg in einer nahen Zukunft: Die Rassentrennung zwischen Weißen und Schwarzen Südafrikanern ist vollständig überwunden, stattdessen werden die Ghettos nun von einer außerirdischen Rasse bewohnt, die vor 20 Jahren mit ihrem Mutterschiff über der Stadt Halt machte. Zur Aufrechterhaltung des status quo wurde die privatisierte Behörde Multinational Unit (MNU) ins Leben gerufen, die mit militärischer Gewalt für Ruhe in den Ghettos der von den Menschen wegen ihres Aussehens abschätzend als “prawns” (Garnelen) bezeichneten Ausserirdischen sorgen soll.

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THIRST_2

Der Priester Sang-hyeon hadert mit seiner Existenz als Diener Gottes auf Erden, genauer gesagt in einem Krankenhaus. Anstatt den Bedürftigen tatsächlich helfen zu können, kann er im Rahmen seiner Arbeit nur den Sterbenden Trost spenden. Getrieben vom Verlangen, Krankheit und Tod auch aktiv bekämpfen zu können, treibt es ihn nach Afrika, wo er an einem medizinischen Experiment zur Heilung des EV-Virus teilnehmen will. Die Überlebenschancen der Testpersonen sind aussichtslos gering, und dennoch überlebt Sang-yeon die Versuchsreihe als einziger der 500 Probanden. Es zeigt sich allerdings schnell, dass sein Überleben einen Preis hat, denn Sang-hyeon ist zu einem Vampir geworden, eine Existenz die für einen Priester natürlich ein Dilemma darstellt: denn wie soll er seinen Blutdurst stillen, wenn er nicht töten darf?
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Ole Bornedal Deliver Us From Evil Review

Den gut situierten Anwalt Johannes (Lasse Rimmer) zieht es mit seiner Familie aus der Großstadt zurück in sein Heimatdorf. Dort hofft er auf weniger Stress und mehr Zeit für seine Frau und Kinder. Als sein asozialer Bruder Lars (Jens Anderssen) bei einem Verkehrsunfall mit Todesopfer die Schuld Alain, dem einzigen Ausländer im Ort in die Schuhe schiebt, zeigen die Dorfbewohner ihr wahres Gesicht und lassen ihrem zunächst noch gezügelten Fremdenhass freien Lauf.

Dänemarks Ausnahmeregisseur Ole Bornedal, der 1994 mit Nachtwache einen modernen Thrillerklassiker quasi aus dem Nichts erschuf, widmet sich mit seinem neuen Film Deliver Us From Evil den Missständen in der von Xenophobie und Rassenhass durchdrängten dänischen Gesellschaft. Inspiration bezog er dabei von Sam Peckinpahs Klassiker Straw Dogs, dem nicht nur die grundlegende Geschichte des intellektuellen Aussenseiters und dessen Konfrontation mit Gewalt und Anarchie, sondern auch das Finale entliehen ist, in dem der wütende Mob das Haus von Johannes und seiner Familie belagert, in dem er Alain Unterschlupf gewährt. Auch stilistisch ist der Einfluss Peckinpahs unverkennbar, Bornedal inszeniert seine Parabel über die Auswirkungen von Fremdenhass und Gewalt in blassen, verwaschenen Farben, die Kamera immer eng am Gesicht der Figuren, die Gewalt plötzlich, explizit und erschreckend.

Doch das furchterregende an Deliver Us From Evil sind weder die home invasion-Sequenz im Finale noch die seltenen aber brutalen Gewaltspitzen, sondern die treffende Darstellung von Ausländerfeindlichkeit, den Menschen die sie in sich tragen und ihren Konsequenzen. Was zuerst aussieht wie klischeehafte Schwarzweißmalerei von zurückgebliebenen, asozialen Dorfdeppen einerseits sowie aufrechten und moralisch überlegenen Intellektuellen andererseits entpuppt sich bei näherem Hinsehen als durchaus realitätsnahes Bild einer ganzen Gesellschaft im Mikrokosmos eines kleinen Dorfes. Sämtliche Bevölkerungsgruppen werden hier von wenigen Personen repräsentiert, auch die Behörden, beziehungsweise der Staat und deren Rolle werden durch die zwei Dorfpolizisten verkörpert, die zu Beginn des Films über Dänemarks Asylpolitik diskutieren.

Dadurch wirkt Deliver Us From Evil stellenweise fast wie ein Theaterstück mit einer wichtigen und starken Moral, und Bornedal bedient sich auch immer wieder den symbolischen Stilmitteln des Theaters, lässt kurz vor der Eskalation beispielsweise dunkle Wolken im Zeitraffer aufziehen. Das hätte schnell nach hinten losgehen und kitschig werden können, unterstreicht aber lediglich den Charakter des Films als abstrakte Betrachtung eines konkreten und höchst aktuellen Problems. Auch wenn man bei einigen der extremen Äußerungen und Aktionen der Dorfbewohner fast laut lachen möchte, liegt die Tragik des Filmes darin, dass sie letztendlich nur die Realität in einem glücklicherweise zwar kleinen, aber nicht unbedeutenden Teil der Bevölkerung widerspiegeln, und das Problem dabei keinesfalls auf Dänemark beschränkt ist, sondern gerade auch in Deutschland existiert.

Neben der Anprangerung von Ausländerfeindlichkeit spielt auch die Gewalt in Deliver Us From Evil eine gewichtige Rolle. Wie schon das Vorbild Straw Dogs will Bornedal zeigen, dass es keine Unschuld mehr gibt, wenn man sich auf sie einlässt. Leider bleibt Bornedal dann am Ende in seiner Konsequenz etwas hinter diesem Ziel zurück. Wenn der Film in den letzten 20 Minuten mit der Hausbelagerung wie schon Straw Dogs den Sprung zum Thriller macht, wird die Entwicklung von Johannes und die Konsequenzen der Gewalt auf seinen Charakter nur angerissen, auch der moralische Konflikt zwischen ihm und seiner Frau Pernille wird etwas unter Wert verkauft. Dennoch bleibt Deliver Us From Evil eine unangenehmer und extrem spannender Sozialthriller, mit dem Bornedal seinem grimmigen Stil treu bleibt und ihn weiter perfektioniert.

8,5 / 10 Punkten

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dreadpic1b

Der introvertierte Filmstudent Stephen (Jackson Rathbone, Twilight) lernt den charismatischen Draufgänger Quaid (Shaun Evans) kennen, der seit er als Kind den brutalen Mord an seinen Eltern miterlebte fasziniert von der Furcht anderer Menschen ist. Er überredet Stephen dazu, für seine Abschlussarbeit einen Dokumentarfilm über eben jenes Thema zu drehen. Doch was als harmloses Interviewprojekt und Schularbeit beginnt, entwickelt sich bald zu einem tödlichen Spiel.

Nach Book Of Blood (Review) und Midnight Meat Train (Review) ist Dread bereits die dritte Verfilmung einer Kurzgeschichte des Horrorautors Clive Barker innerhalb kürzester Zeit. Pate für die Geschichte von Dread stand diesmal die Geschichte „Moloch Angst“, die sich deutlich vom übrigen Werk Barkers unterscheidet. Anstelle von explizitem, übernatürlichen Body Horror widmet sich Barker hier eher den psychologischen Abgründen der menschlichen Seele, was seine Geschichte keinesfalls weniger fürchterlich macht.

Mit seinem Debütfilm Dread liefert Regisseur Anthony DiBlasi, der mittlerweile Pascal Laugier (Martyrs) als Regisseur für das geplante Hellraiser Remake abgelöst hat, einen fiesen und verstörenden Psychothriller ab, der ohne viel Effekthascherei auskommt. Abgesehen von einigen durchaus blutigen Rückblenden und Alptraumsequenzen gibt es hier für eine Barkerverfilmung recht wenig Blut und Gekröse zu sehen, dennoch ist die psychische Gewalt in einigen Szenen so extrem, dass man kaum hinschauen möchte. Psychologischer Torture Porn sozusagen.

Unterstützt wird der Film vom jungen und noch recht unverbrauchten Cast, sowie DiBlasis stilsicheren Bildern. Leider können weder die Intensität noch die durchaus packende Stimmung von Dread darüber hinwegtäuschen, dass er bezüglich des Potentials seines eigenen Themas, der Angst und ihrer Wirkung auf die menschliche Psyche, nur an der Oberfläche kratzt und sich die große Erleuchtung, die der Film verspricht nicht so recht zu ergeben vermag. Dafür wird der Zuschauer am Ende nach einem spannenden und unterhaltsamen, wenn auch nicht gerade angenehmen, Film mit einem düsteren und bitterbösen Finale belohnt, wie man es von Barker kennt und liebt.

7/10 Punkten

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rockwell-moon-21

Sam Bell (Sam Rockwell) führt in einer Basis auf der dunklen Seite des Mondes ein einsames Dasein. Sein Auftrag: Der Abbau eines wertvollen Rohstoffes, der in der Zukunft den Großteil des Energiebedarfs der Erde deckt. In zwei Wochen wird sein Vertrag auslaufen, und er kann endlich zu seiner Familie auf der Erde zurückkehren. Doch nach einem schweren Arbeitsunfall macht er eine Entdeckung, die nicht nur seine Rückkehr, sondern seine gesamte Existenz in Frage stellt.

Nachdem das Science Fiction Genre in den letzten Jahren eher von leichtverdräglichen Bombastorgien wie Terminator: Salvation oder Transformers in Beschlag genommen wurde, liefert Duncan Jones mit Moon eine Hommage an die Zeit ab, in der Science Fiction noch eher über die Story als atemberaubende Effekte funktionierte, und zitiert seine Vorbilder mehr oder weniger deutlich. Am auffälligsten ist hierbei das Design von Sam Bells einzigem Gesprächspartner, dem Roboter Gerty, der durch seine emotionslose, aber dennoch einlullende und beruhigende Stimme (Kevin Spacey) klare Ähnlichkeit zu HAL in 2001 – A Space Odyssey hat, auch wenn dessen rote LED ein Web 2.0-konformes Update auf einen Smiley spendiert bekam. Aber auch andere Genreklassiker wie Outland standen offensichtlich Pate für die sterile und klaustrophobische Stimmung des Films.

Dem niedrigen Budget zum Trotz beweist Duncan Jones mit Moon, dass Independent Science Fiction nicht billig aussehen muss. Sowohl das Setdesign im Inneren der Raumstation als auch die atmosphärischen Bilder der kargen Mondoberfläche erreichen locker Hollywoodstandard. Weit über diesen Standard hinaus geht aber die Performance von Sam Rockwell, der diesen Film quasi im Alleingang trägt, und mit Moon seinen Status als einer der am meisten unterschätzten Schauspieler Hollywoods untermauert. Völlig unverständlich, warum Rockwell mit seinem enormen mimischen Repertoire und seiner natürlichen Coolness noch nicht einmal für einen Oscar nominiert war. In Moon kann er in seiner Doppelrolle einmal mehr zeigen, was er drauf hat, wechselnd fließend zwischen Tragik und Komik, ohne hierbei der Gefahr des overactings zu verfallen.

Was Moon dann aber insgesamt hinter seinen Vorbildern etwas zurückbleiben lässt, ist die Dramaturgie die vor allem am Ende des Films doch etwas enttäuscht. Was als erstklassig gespieltes, ambitioniertes Kammerspiel mit philosophischen Anklängen beginnt, kommt am Ende leider nicht über die Spannung einer guten Outer Limits Folge hinaus. Jones verschenkt hier gerade am Ende auch viel Potential, indem er Gerty nicht als das zusätzliche Plot- und Spannungselement nutzt, zu dem er den Roboter ganz in HAL-Manier zunächst aufbaute. Stattdessen wird der mögliche Konflikt zwischen Mensch und Maschine mit einem unspektakulären Drehbuchtrick einfach weggeschrieben.

Insgesamt ist Moon ein netter und erfrischender kleiner Science Fiction Thriller mit einem hervorragenden Hauptdarsteller aber leider auch viel verschenktem Potential.

7,5 / 10 Punkte

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basterd_670

Quentin Tarantino ist zurück. Nachdem der Kultregisseur mit seinem letzten Output Death Proof eher enttäuschte und selbst von seinen ansonsten so loyalen Fanboys erstmals Kritik zu hören bekam, besinnt sich Tarantino mit Inglourious Basterds auf das, was er wirklich kann: Interessante Charaktere erschaffen, die sich in ellenlangen aber dennoch faszinierenden Dialogen und gelegentlichen Gewaltausbrüchen präsentieren. Verpackt ist das ganze wie immer in eine Art Hommage, diesmal bediente sich Tarantino bei Italowestern und Weltkriegsfilmen, vermengt diese Genres zu einem unterhaltsamen Mix, der zwar keine große Story, aber jede Menge grandiose Momente zu bieten hat.

Die Handlung von Inglorious Basterds ist schnell erzählt, eine kleine Militäreinheit, angeführt von Aldo Rayne (Brad Pitt) macht in Frankreich Jagd auf Nazis, ihr größter Coup soll während der Premiere eines deutschen Propagandafilms in Paris erfolgen, doch auch die jüdische Besitzerin des Kinos, Shaushanna, hat ihre eigenen Pläne um mit der anwesenden Nazielite abzurechnen. Wie so oft bei Tarantino dient diese dünne Story nur als Grundlage für die einzelnen Szenen, die für sich genommen fast alleine stehen und den Kern des Films ausmachen. Tarantino kaschiert das Fehlen einer klassischen Narrative einmal mehr mit der Unterteilung des Films in verschiedene Kapitel, die alle ihren eigenen Spannungsbogen und teilweise sogar eigenen Stil besitzen.
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pontypool_05

Wenn es ein Horrorgenre gibt das frische Ideen am nötigsten hat, ist es wohl der Zombiefilm. Ausgelutscht seit bestimmt 20 Jahren sind es vor allem die kleinen Produktionen, die versuchen frischen Wind in diese Sparte zu bringen. Pontypool besinnt sich mit seinem Kammerspielsetting und überschaubarem Budget auf Urgesteine des klaustrophobischen Horrors wie John Carpenters Assault On Precinct 13. Keine neue Idee also, aber immer noch unverbraucht genug für einen spannenden, kleinen Thriller.

Im Zentrum der Geschichte stehen Grant Mazzy, der Moderator einer Radiosendung in der kanadischen Einöde, sowie dessen Produzentin Sidney und die Assistentin Laurie. Als Mazzy in der Sendung über mysteriöse gewaltbereite Mobs berichtet, die sich ohne ersichtlichen Anlass überall in der Stadt bilden, beginnt die Situation zu eskalieren und das Team befindet sich selbst in Gefahr.

Was Pontypool von üblichen modernen Horrorfilmen unterscheidet, und ihn deshalb aus dieser Masse heraushebt, ist die konsequente Durchhaltung der Tatsache, dass man die Bedrohung als Zuschauer nicht sieht, sondern höchstens hört. Man wird selbst Zeuge von Mazzys Versuchen, den Geschehnissen einen Sinn zu geben, bekommt die hektischen Beschreibungen seiner Interviewpartner mit, spürt, dass irgendetwas Schreckliches passiert, sieht aber selbst nur Mazzys Gesicht sowie seine Reaktion. Das funktioniert auch überraschend gut, was vor allem an Stephen McHatties beeindruckender Verkörperung des liebenswerten Arschlochs à la Dr. House liegt. Es baut sich schnell eine bedrohliche Stimmung auf, die durch das enge Setting (der komplette Film spielt in dem kleinen Radiosender) noch unangenehmer wird.

Diese zwar sehr atmosphärische aber eben auch ereignisarme Grundstimmung mag viele Horrorfans abschrecken, einige durchgedrehte, fast schon surreale Momente werden ihr übriges tun. Dennoch oder gerade deswegen ist Pontypool zumindest in seiner ersten Hälfte aber eine gelungene Hommage an die frühen Horrorfilme, in denen Angst noch durch Stimmung, nicht durch explizite Bilder erzeugt wurde. Leider verfällt der Film dann bald doch in etwas zu arge Klischees, wenn beispielsweise aus dem Nichts plötzlich ein Arzt zum Dreierensemble stößt, der natürlich für alle Vorkommnisse eine Erklärung parat hat. Auch kann Pontypool leider nicht die ganze Spielzeit mit seiner eigentlich sehr interessanten Prämisse füllen, und so hat der Film am Ende leider doch einige Längen und wird der sehr gut gelungenen ersten Hälfte nicht mehr gerecht. Wer auf Splatter verzichten kann und charakterbasierten, gut gespielten Horror mag, sollte Pontypool aber unbedingt eine Chance geben.

  • OT: Deadgirl
    Land / Jahr: Kanada / 2008
    Regie: Bruce McDonald
    Darsteller: Stephen McHattie, Lisa Houle, Georgina Reilly
    Laufzeit: 96 Minuten
    FSK / MPAA: noch nicht geprüft / R
    IMDb: http://www.imdb.com/title/tt1226681/
  • rating7base
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deadgirlheader

Die jugendlichen Außenseiter Rickie (Shiloh Fernandez) und J.T. (Noah Segan) brechen in eine verlassene Nervenheilanstalt ein, um das zu tun was jugendliche Außenseiter in ihrer Freizeit eben so machen: Bier trinken und randalieren. Im Keller des heruntergekommenen Gebäudes machen sie eine grausige Entdeckung. Verborgen unter einer Plastikplane finden sie ein nacktes Mädchen, das trotz schwerer Verletzungen und bereits eingesetzter Verwesung noch halbwegs am Leben ist. Doch anstatt das Mädchen zu befreien und die Polizei zu informieren kommt J.T. auf die Idee, die Unbekannte als private Sexsklavin zu halten.

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dmth

17 lange Jahre ist es her, seit Sam Raimi mit Armee der Finsternis seinen letzten richtigen Horrorfilm gedreht hat, und das obwohl sich der damals gerade 21jährige Regisseur mit Tanz der Teufel ausgerechnet in diesem Genre einen Namen als Kultregisseur machte. Raimi schien seine Zeit und Mühe lieber in kommerziell effektivere Blockbuster wie die Spiderman Filme zu stecken. Umso mehr waren seine Fans der ersten Stunde aus dem Häuschen, als er mit Drag Me To Hell einen neuen Horrorfilm ankündigte, und das Warten hat sich tatsächlich gelohnt.

Bereits der Vorspann macht deutlich, wohin die Reise für Raimi gehen soll. Statt dem modernen CGI-animierten Universallogo bekommt man im Kino noch einmal die etwas verwaschen und angestaubt aussehende Erdkugel mitsamt Universal Schriftzug zu Gesicht, das seit den 80er Jahren ausgestorben war. „Back to the roots“ also, da kommt Freude auf. Und tatsächlich wirkt Drag Me To Hell, als hätte Raimi nie aufgehört Horrorfilme zu drehen. Bereits die Eröffnungsszene, in der unsichtbare Dämonen Menschen während einem gescheiterten Exorzismus unsanft durch die Luft wirbeln bietet den Fans alles, was sie an Raimi spätestens seit Tanz der Teufel 2 lieben: Übertriebene, sich fast im Slapstick Bereich bewegende Horroraction.

Auch Christine Brown (Alison Lohman), die Heldin des Films erinnert erfrischend an Bruce Campbells Paraderolle Ash, der ursprünglich auch ein völlig normaler Nobody war, und später im Kampf gegen übernatürliche Kräfte über sich hinauswachsen musste.
Und wenn Christine im Verlauf des Films im strömenden Regen eine Leiche ausbuddelt, um ihr den Fluch zurückzugeben inszeniert Raimi seine Hauptfigur ebenso wie seinen damaligen Helden als heldenhafte Horrorikone, wenn auch mit einem kleinen Augenzwinkern und Selbstironie.

Diese Selbstironie ist es auch, die Drag Me To Hell so gut macht. Während einige Fans enttäuscht waren, dass sie von Raimis neuem PG-13 Film keine Hardcore Splatterszenen serviert bekommen, ersetzt der Regisseur diese durch einige extreme Ekelszenen, die auch nicht viel weniger krass sind als zu Tanz der Teufel Zeiten, nur eben weniger blutig und tatsächlich lustig. Die Balance zwischen Horror und ständigem comic relief gelingt ausgesprochen gut, da die humorvollen Szenen nie erzwungen wirken sondern sich gut in den Grundton des Films einfügen.

Sam Raimi zeigt Hollywood und diversen importierten japanischen Regisseuren mit Drag Me To Hell wie PG-13 Horror aussehen muss, damit er funktioniert. Den Vogel schießt Raimi dann am Ende des Films ab, als er den bis dahin eher lockeren und spaßigen Grundton des Films plötzlich herumreißt und das Publikum mit offenen Mündern im Kino zurücklässt.

Raimi ist zurück, das ist jedenfalls mein Eindruck nach Drag Me To Hell, bleibt zu hoffen dass er mit diesem Film wieder Blut für das Horrorgenre geleckt hat und dies nicht sein letzter Funschocker war.

rating9base

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