Deadgirl Review

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Die jugendlichen Außenseiter Rickie (Shiloh Fernandez) und J.T. (Noah Segan) brechen in eine verlassene Nervenheilanstalt ein, um das zu tun was jugendliche Außenseiter in ihrer Freizeit eben so machen: Bier trinken und randalieren. Im Keller des heruntergekommenen Gebäudes machen sie eine grausige Entdeckung. Verborgen unter einer Plastikplane finden sie ein nacktes Mädchen, das trotz schwerer Verletzungen und bereits eingesetzter Verwesung noch halbwegs am Leben ist. Doch anstatt das Mädchen zu befreien und die Polizei zu informieren kommt J.T. auf die Idee, die Unbekannte als private Sexsklavin zu halten.

Schon die Prämisse von Deadgirl ist starker Tobak, der Plot verspricht Provakation und Tabulosigkeit, wer damit kein Problem hat, bekommt mit Deadgirl einen fiesen Independent Schocker serviert, der im Gegensatz zu den auf Hochglanz polierten Hollywood Aufregern à la Hostel und Saw auch hält was er verspricht. Dabei schockt der Film weniger durch explizite Ekeleffekte (auch wenn der Schlussakt die eine oder andere Goreszene zu bieten hat), als viel mehr durch seine nur angedeuteten Respektlosigkeiten. Wenn J.T. sich beschwert, das Mädchen sei „zu trocken und kalt“ nutzt er eben eine der zahlreichen Wunden im Körper zur Penetration, die sind immerhin „warm und feucht“. Alleine der Gedanke daran sorgt beim Zuschauer für einen derartigen Ekel, dass der Film die anschließende Umsetzung dieses Vorhabens gar nicht mehr direkt zu zeigen braucht, um zu schockieren. Wer hier Splatter und Tortureporn erwartet, wird also nicht auf seine Kosten kommen, der Horror in Deadgirl funktioniert auf einer viel subtileren Ebene, wirkt dadurch aber keinesfalls weniger schockierend.

Deadgirl nutzt diese Provakation aber nicht zum Selbstzweck, sondern als Vehikel für ein überraschend ruhig erzähltes Jugenddrama, in dessen Zentrum Rickie als unsicherer, deprimierter Jugendlicher steht, der sich im Laufe der Geschichte zwischen seinem eigenen Gewissen und der Loyalität zu seinem besten (und einzigen) Freund J.T. entscheiden muss. Die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten und ihr sich langsam entfesselnder Machtkampf werden spannend und glaubwürdig in Szene gesetzt, überhaupt zeigen die beiden jungen Regisseure Marcel Sarmiento und Gardi Harel ein gutes Gespür für Stimmung und Atmosphäre. Vor allem die morbiden Bilder in den Szenen im Keller wirken so realistisch, dass man fast das Gefühl hat, die Verwesung riechen zu können. Selbst die am Tageslicht gedrehten Einstellungen vermitteln ein düsteres, trostloses Gefühl und unterstreichen damit den bitterbösen Grundton des Films. Den größten Schock bekommt der Zuschauer dann in der letzten Einstellung serviert, welche mit den eigenen Erwartungen spielt und den Glauben an das Gute im Mann Menschen in konsequent tabuloser Weise in Frage stellt.

Bei aller handwerklichen Perfektion kann Deadgirl aber nicht über einige Schwächen im Drehbuch hinwegtäuschen, die vor allem im Schlussakt des Films deutlich werden. Dass der Zuschauer keine Erklärung für die Herkunft und Hintergründe des im Keller gefangen gehaltenen Mädchens erhält stört noch nicht wirklich, da der Charakter dadurch noch als abstrakt-mysteriöse Horrorfigur gesehen werden kann. Dass im Laufe der Geschichte aber einigen Figuren Dinge geschehen, deren Ergebnisse und Konsequenzen nicht weiter behandelt werden, trübt den an sich so sehr durchdachten Plot dann allerdings doch deutlich. Unterm Strich ist Deadgirl aber ein solider und origineller Genrebeitrag, ein interessanter Mix aus Horrorthriller und Jugenddrama und ein nachdenklich stimmender Abgesang auf jugendliche Werte und Moral.

  • OT: Deadgirl
    Land / Jahr: USA / 2008
    Regie: Marcel Sarmiento, Gadi Harel
    Darsteller: Shiloh Fernandez, Noah Segan, Candice Accola
    Laufzeit: 101 Minuten
    FSK / MPAA: Ungeprüft / R
    IMDb: http://www.imdb.com/title/tt0896534/
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