Veröffentlicht von omahabitch um 16:45 Uhr in Reviews | Noch keine Kommentare

Centurionreview Die sind hart, die Römer: Centurion Review

Im Jahre 117 befindet sich das römische Imperium noch auf dem Vormarsch durch Europa. Keine militärische Macht scheint den gut ausgerüsteten und überaus brutal vorgehenden Soldaten gewachsen zu sein, doch in den Wäldern Britanniens stößt die erste Weltmacht plötzlich auf erbitterten Widerstand der Pikten, einem keltischen Stamm, der den römischen Soldaten das Leben mit schnellen und sehr effektiven Guerillaangriffen schwer macht. Bei einem dieser Angriffe gelingt es den Pikten, fast eine komplette Legion auszulöschen. Der loyale Soldat Quintus Dias (Michael Fassbender) verspricht seinem General Flavius Virilus (Dominic West) die wenigen Überlebenden sicher nach Hause zu bringen. Doch der König der Pikten hat mit den Soldaten noch eine persönliche Rechnung zu begleichen und setzt seine besten Krieger auf deren Jagd an.

Nach seinen beiden von den Fans sehr positiv aufgenommenen Genrebeiträgen Dog Soldiers und The Descent, sowie seinem eher misslungenen Endzeitfilm Doomsday widmet sich der britische Regisseur Neil Marshall mit Centurion der Legende der neunten römischen Legion, die von einem Tag auf den nächsten ohne jegliche Erklärung von der Bildfläche verschwand. Obwohl Centurion thematisch nicht als Horrorfilm bezeichnet werden kann, bleibt Marshall seinem Lieblingsgenre treu, der Film eignet sich wahrlich nicht für zarte Gemüter. In den Kampfszenen wird geköpft, zerstückelt und abgeschlachtet was das Zeug hält, Römer und deren Gegner machten damals eben keine Gefangenen. Und wenn doch, dann wurden sie gefoltert und verhört um dann eben anschließend geköpft, zerstückelt oder abgeschlachtet zu werden.

In diesen Szenen zeigt Neil Marshall auch sein Talent als Actionregisseur, zwar sind die Kampfszenen durchaus schnell aber nicht hektisch geschnitten. Im Unterschied zu vielen modernen Actionstreifen verliert man als Zuschauer hier nicht den Überblick darüber, wer denn nun gerade geköpft, zerstückelt oder abgeschlachtet wird. Centurion dürfte Marshalls Visitenkarte für Hollywood sein, es würde mich sehr wundern wenn der Mann in ein paar Jahren nicht seinen ersten richtigen Blockbuster dreht. Es ist schon erstaunlich, wie viel hier aus dem knapp bemessenen Budget herausgeholt wird. In den Schlachtszenen mit den vielen Komparsen und Pferdestunts wirkt der Film fast schon episch und braucht sich auch vor Blockbustern wie Gladator nicht zu verstecken. Doch nicht nur die Schlachtszenen können beeindrucken, auch die atemberaubenden Kamerafahrten über die schottische Landschaft, die den ganzen Film von den opening credits bis zum Ende prägen verleihen Centurion einen Hauch Hollywood.

Leider reichte das Budget dann wohl doch nicht ganz aus, um die zahlreichen Splatterszenen vernünftig umzusetzen. Vor allem stört die viel zu häufige Verwendung von CGI-Blutspitzern, die unnatürlicher kaum aussehen könnten. Gerade hier hätte man von Horrorveteran Neil Marshall wirklich mehr erwartet. Das Drehbuch von Centurion liefert einerseits zwar mehr als das bloße Actionspektakel, offenbart aber auch einige Schwächen. So bleibt die Charakterentwicklung nach der ersten Hälfte des Films leider etwas auf der Strecke. Die verschiedenen Charaktere der Überlebenden römischen Soldaten bekommen nur wenig Freiraum zur Entwicklung, die Hintergrundgeschichte der stummen Killeramazone Etain (Ex-Bondgirl Olga Kurylenko) setzt sich aus beliebigen und altbekannten Filmklischees zusammen. Dafür kommt während dem Katz und Mausspiel der piktischen Häscher und den römischen Soldaten durchaus Spannung auf. Dummerweise wird das große Potential dieser Situation und vor allem Etains Rolle als übermächtiger Feind im viel zu kurzen und unspektakulären Showdown nicht ausreichend genutzt. Centurion ist vielleicht eine der wenigen Ausnahmen im Actiongenre, der zehn bis zwanzig Minuten mehr Spielzeit durchaus gut getan hätten, zumal gut zehn Minuten der nur 95minütigen Spielzeit an eine unnötige und kitschige Romanze verschenkt werden.

Trotz dieser Schwächen ist Centurion ein kurzweiliger Film mit jeder Menge Action, soliden Darstellern und perfekter Kameraarbeit, die man auf jeden Fall im Kino oder zumindest in High Definition bewundern sollte. Inhaltlich werden zwar weder das Rad noch das Genre neu erfunden, Spaß macht Centurion aber allemal. Wer auf harte Action steht und beim kleinsten Hauch von Anspruch Kopfschmerzen bekommt wird hier jedenfalls voll auf seine Kosten kommen.

7,5/10

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