Veröffentlicht von omahabitch um 22:30 Uhr in Reviews | 10 Kommentare

rockwell moon 21 FFF 2009: Auf der dunklen Seite des Mondes   Moon Review

Sam Bell (Sam Rockwell) führt in einer Basis auf der dunklen Seite des Mondes ein einsames Dasein. Sein Auftrag: Der Abbau eines wertvollen Rohstoffes, der in der Zukunft den Großteil des Energiebedarfs der Erde deckt. In zwei Wochen wird sein Vertrag auslaufen, und er kann endlich zu seiner Familie auf der Erde zurückkehren. Doch nach einem schweren Arbeitsunfall macht er eine Entdeckung, die nicht nur seine Rückkehr, sondern seine gesamte Existenz in Frage stellt.

Nachdem das Science Fiction Genre in den letzten Jahren eher von leichtverdräglichen Bombastorgien wie Terminator: Salvation oder Transformers in Beschlag genommen wurde, liefert Duncan Jones mit Moon eine Hommage an die Zeit ab, in der Science Fiction noch eher über die Story als atemberaubende Effekte funktionierte, und zitiert seine Vorbilder mehr oder weniger deutlich. Am auffälligsten ist hierbei das Design von Sam Bells einzigem Gesprächspartner, dem Roboter Gerty, der durch seine emotionslose, aber dennoch einlullende und beruhigende Stimme (Kevin Spacey) klare Ähnlichkeit zu HAL in 2001 – A Space Odyssey hat, auch wenn dessen rote LED ein Web 2.0-konformes Update auf einen Smiley spendiert bekam. Aber auch andere Genreklassiker wie Outland standen offensichtlich Pate für die sterile und klaustrophobische Stimmung des Films.

Dem niedrigen Budget zum Trotz beweist Duncan Jones mit Moon, dass Independent Science Fiction nicht billig aussehen muss. Sowohl das Setdesign im Inneren der Raumstation als auch die atmosphärischen Bilder der kargen Mondoberfläche erreichen locker Hollywoodstandard. Weit über diesen Standard hinaus geht aber die Performance von Sam Rockwell, der diesen Film quasi im Alleingang trägt, und mit Moon seinen Status als einer der am meisten unterschätzten Schauspieler Hollywoods untermauert. Völlig unverständlich, warum Rockwell mit seinem enormen mimischen Repertoire und seiner natürlichen Coolness noch nicht einmal für einen Oscar nominiert war. In Moon kann er in seiner Doppelrolle einmal mehr zeigen, was er drauf hat, wechselnd fließend zwischen Tragik und Komik, ohne hierbei der Gefahr des overactings zu verfallen.

Was Moon dann aber insgesamt hinter seinen Vorbildern etwas zurückbleiben lässt, ist die Dramaturgie die vor allem am Ende des Films doch etwas enttäuscht. Was als erstklassig gespieltes, ambitioniertes Kammerspiel mit philosophischen Anklängen beginnt, kommt am Ende leider nicht über die Spannung einer guten Outer Limits Folge hinaus. Jones verschenkt hier gerade am Ende auch viel Potential, indem er Gerty nicht als das zusätzliche Plot- und Spannungselement nutzt, zu dem er den Roboter ganz in HAL-Manier zunächst aufbaute. Stattdessen wird der mögliche Konflikt zwischen Mensch und Maschine mit einem unspektakulären Drehbuchtrick einfach weggeschrieben.

Insgesamt ist Moon ein netter und erfrischender kleiner Science Fiction Thriller mit einem hervorragenden Hauptdarsteller aber leider auch viel verschenktem Potential.

7,5 / 10 Punkte

pixel FFF 2009: Auf der dunklen Seite des Mondes   Moon Review

10 Kommentare zu “FFF 2009: Auf der dunklen Seite des Mondes – Moon Review”

    • omahabitch sagte am 06. September 2009 um 23:59 Uhr

    • Eine 9 hätte es gegeben wenn der Film nach der großen Überraschung die schon im Trailer und sämtlichen Reviews verschenkt wurde nochmal einen drauf gesetzt hätte :)

      Leider flacht das ganze nach dem “Twist” halt schon etwas ab.

      Deliver Us From Evil hätte die 9 bekommen wenn ich kurz danach nicht Thirst gesehen hätte, den ich nochmal ein bisschen besser fand, der aber keine 10 verdient hat (Review kommt morgen) :)

    • omahabitch sagte am 07. September 2009 um 00:10 Uhr

    • 9 hatte schon Oldboy, Thirst fand ich besser ;)

      Aber reicht wie gesagt nicht für 10 also mal schauen, ich lasse mir was einfallen :)

    • Flo Lieb sagte am 08. September 2009 um 13:26 Uhr

    • So, jetzt auch gelesen, nachdem ich selber meinen Senf zu Papier gebracht habe. “Viel verschenktes Potential”, das habe ich auch kritisiert, wenn ich auch das Potential scheinbar woanders sah als du (nicht in GERTY, sondern dem Psychospiel inner Mitte). Sehe den Film daher (leicht) besser als du bzw. in diesem schwachen Kinojahr ist er sogar einer der (bisher) Besten.

    • omahabitch sagte am 05. Februar 2011 um 16:15 Uhr

    • Sehe ich anders, gerade das Ende mit GERTYS plötzlichem Sinneswandel halte ich für eine eher schwache und unkreative Lösung des Konflikts. Im Kern geht es um den Konflikt zwischen Mensch und Technik und ausbeuterischem Kapitalismus, laut Audiokommentar sieht Duncan Jones das übrigens genauso wie ich :wink:

    • Tadeusz Szewczyk sagte am 12. Februar 2011 um 11:16 Uhr

    • Naja, wie gesagt, das mit dem Kapitalismus sehe ich zwar ebenso, aber der Konflikt zwischen Mensch und Maschine kommt da meines Erachtens gar nicht vor. Das ist lediglich Deine Deutung aufgrund einer Erwartungshaltung genährt von anderen Filmen. Moon kokettiert ja gekonnt mit Anspielungen.





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