FFFN 2009: Franklyn Review

franklyn

Franklyn war für mich DIE überraschung der Fantasy Filmfest Nights 2009. Als vor einigen Monaten die ersten Trailer zu dieser englisch-französischen Co-Produktion veröffentlicht wurden hatte ich eigentlich überhaupt kein Interesse an dem Film, es sah mir zu sehr nach einer uninspirierten Kopie von V for Vendetta oder Dark City aus, wie sehr man sich doch täuschen kann.

Franklyn beginnt in der fiktiven Stadt Meanwhile City, in der Kriminalität und die Clerics, die Häscher eines faschistischen Regimes, die Straßen beherrschen. Inmitten dieses Molochs sucht Jonathan Presst aka Franklyn (Ryan Phillipe) den Mörder eines kleinen Mädchens um dieses zu rächen. Tatsächlich erninnert Franklyn mit seinem düsteren Setting stark an Filme wie Dark City, Equilibrium oder eben V for Vendetta. Meanwhile City ähnelt deren Schauplätzen doch sehr auffällig, auch hier tritt ein einzelner, aufrechter Kämpfer gegen ein ganzes faschistisches Regime an. Dennoch kann Franklyn bereits im ersten Teil des Films mit seiner atemberaubenden Optik und einer fesselnden Geschichte überzeugen, und schnell wird klar dass es sich hier nicht um eine weitere düstere Comicverfilmung handelt. Denn plötzlich und völlig unvermittelt springt der Film aus der fiktiven Comicgeschichte in das gegenwärtige London, führt Handlungsstränge und Charaktere ein, die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit der ursprünglichen Geschichte und Welt von Franklyn zu tun haben.

Da wäre zunächst die depressive und suizidgefährdete Emilia (Eva Green), die ihre Selbstmordversuche als Videokunst festhalten will, Milo (Sam Riley), der unter der Trennung von seiner Freundin leidet und durch einen Zufall auf eine alte Jugendfreundin trifft, sowie ein verzweifelter Vater (Bernard Hill), der seinen verlorenen Sohn sucht. Als Zuschauer hat man zunächst das Gefühl, hier zwei verschiedene, voneinander unabhängige Filme zu sehen. Es entsteht ein großes Fragezeichen im Kopf, das mit jedem Sprung zwischen der fiktiven Welt von Franklyn und den realen Schicksalen der Londoner Protagonisten immer größer wird. Nur ganz sporadisch werden einzelne Hinweise gestreut, die zuerst noch mehr verwirren als für Aufklärung sorgen. Kurz vor Schluss legt Franklyn dann jedoch einen einwandfreien Plottwist auf den Tisch, der innerhalb weniger Sekunden die zuvor so weit auseinanderlaufenden Handlungsfäden zusammenführt und miteinander verbindet. Mehr hierüber zu schreiben würde bedeuten den Twist und damit die Wirkung des Films zu ruinieren, deshalb belasse ich es an dieser Stelle bei einer klaren Empfehlung für Franklyn. Wer komplexen und vielschichtigen Filmen, die unter Umständen ein mehrmaliges Ansehen erfordern, etwas abgewinnen kann darf Franklyn keinesfalls verpassen. Als problematisch sehe ich allerdings die von den Trailern geweckten Versprechungen eines actionreichen Comicabentuers, die wohl viele Zuschauer mit den falschen Erwartungen ins Kino treiben werden. Franklyn hat, so viel sei gesagt, mit dem beworbenen Film nicht viel zu tun.

Kleiner Wermutstropfen ist für mich die Performance von Eva Green, die ich schon seit Die Träumer einfach hinreissend finde. Leider ist sie hier weit von ihrer Hochform entfernt, ihre Performance erinnert viel mehr an Helena Bonham Carter, was meiner Meinung nach einfach nicht zu Eva Green passt.

Abgesehen davon aber ein erfrischend innovativer und sehr mutiger Beitrag zur derzeitigen Welle der “düsteren Superheldenfilme”.

rating8base

Related Posts with Thumbnails

Verwandte Artikel

3 Kommentare zu “FFFN 2009: Franklyn Review”

  1. Das Bild gefällt mir.
    Wann wird denn der Film denn in den Lichtspielhäusern erscheinen?


  2. Es gibt afaik noch keinen deutschen Starttermin, kann auch sein dass der Film als DVD Premiere verheizt wird. Da du ja Burton magst könnte dir der Film jedenfalls gefallen.

  3. Ich hab gerade herausgefunden das der Film aus Frankreich kommt und voraussichtlich Oktober 2009 in den öffentlichen Verleih erscheinen wird.

    Hoffentlich wird die deutschen Synchronisation gut umgesetzt. Vor allem der Style und die Bewegungen gefallen mir. Selbstverständlich ist dieser Film nicht so gut wie ein Tim Burton-Film. Aber zwischen zwei Tim Burton-Filmen muss man auch mal etwas anderes sehen! :D

    Am 09.09.09 wird Tim Burtons´s 9 erscheinen. Ich hoffe auf einen Umfangreichen Artikel von dir :)

Sag was!




Nachricht: