Kick Ass Review
Veröffentlicht von omahabitch um 00:08 Uhr in Reviews | Noch keine Kommentare

Daß Verfilmungen von Superheldencomics durchaus einträglich sein können, haben die Studiobosse längst gemerkt. Schließlich hat man mit den jeweiligen Comicfans schon mal eine relativ sichere Zielgruppe zur Verfügung und selbst Verfilmungen die als „Flop“ bezeichnet wurden erwiesen sich unterm Strich immer noch als profitabel. Umso überraschter muss Matthew Vaughn gewesen sein, als er auf der Suche nach Finanziers für seine Verfilmung des Graphic Novels „Kick Ass“ bei den Studios auf taube Ohren traf. Ausschlaggebend für diese Reaktion dürfte vor allem die Rolle von Hit Girl sein, einer 12jährigen Profikillerin die äußerst rabiat zur Sache geht und dabei Worte in den Mund nimmt, die selbst Linda Blair in Der Exorzist zur Ehre gereicht hätten.
Kick Ass eignet sich nun mal nicht zu einem PG-13 Vehikel und R-rated Superheldenfilme dürften für die Studios spätestens seit Watchmen leider tabu sein. Doch Vaughn wäre nicht der Ehemann von Claudia Schiffer, würde er sich von solchen Kleinigkeiten abhalten lassen. So produzierte er den Film kurzerhand auf eigene Faust und Verantwortung mit geliehenem Geld. Und die Sache hat sich gelohnt, wenn nicht in finanzieller, dann doch zumindest in qualitativer Hinsicht, denn Kick Ass ist pures Unterhaltungskino und liegt dabei doch so erfreulich weit neben der typisch amerikanischen Comedy-Spur.
Dave Lizewski ist ein typischer Comicnerd ohne Selbstvertrauen oder Erfolg beim weiblichen Geschlecht. Er ist fasziniert von der Idee, seinen Comicidolen nachzueifern und als maskierter Rächer gegen das Böse zu kämpfen. Gleich bei seinem ersten Einsatz im Namen des Guten bekommt er allerdings nicht nur ein Messer in den Körper gerammt, sondern wird auch noch von einem Auto überfahren. Mit jeder Menge Stahlimplantaten im Körper wagt er einen neuen, etwas aber nicht gerade viel erfolgreicheren Versuch der Verbrechensbekämpfung und wird schnell zum Internetstar. In dem heroischen Vater-Tochter Gespann Big Daddy (Nicholas Cage) und Hit Girl (Chloe Moretz) findet er schnell Verbündete, in dem brutalen Mafiaboss Frank D`Amico aber auch einen gefährlichen Gegner.
Die Story klingt nach einer aus beliebigen Versatzstücken zusammengeschusterten Superheldenstory, doch Kick Ass ist im Grunde keine Fortführung der derzeitigen Comicfilmwelle sondern eher ein kleiner Bastard, ein Punk der die großen mit Pathos überfrachteten Vorbilder demontiert und ihnen (man verzeihe mir die allzu offensichtliche Floskel) in den Arsch tritt. Die Tagline auf dem deutschen Kinoplakat lautet dann auch nicht ohne Grund „keine Macht, keine Verantwortung“. Verantwortung und Moral kennt dieser Film in der Tat nicht. In Kick Ass wird geflucht, gewichst und gekillt, und zwar ordentlich.
Maßgeblich daran beteiligt ist Hit Girl, die eigentliche Attraktion des Films. Einerseits kleines, knuffiges Mädchen das am liebsten heisße Schokolade mit Marshmellows trinkt, andererseits fluchende Killer-Lolita, die in Sachen Gewalt nicht nur austeilt, sondern auch ordentlich einsteckt. Man fragt sich zwangsläufig wie Vaughn es geschafft hat, die durch ein kleines Mädchen verübten Gewaltorgien, vor allem die Szenen in denen dieses kleine wehrlose Ding von erwachsenen Männern mit Schüssen und Fausthieben malträtiert wird zu Publikumsunterhaltung zu machen, ohne dass der Zuschauer dabei das Gefühl hat es gehe zu weit oder sei nicht richtig, aber er hat es geschafft. Denn schaltet man erstmal jegliche moralischen Vorbehalte ab und lässt sich auf diese wilde Achterbahnfahrt ein, macht Kick Ass jede Menge Spaß.
Und mehr will dieser Film auch nicht. Man kann sicher einen Haufen Kritikpunkte finden wenn man denn will, vor allem Kenner der Vorlage werden einige Änderungen der Story bemängeln, man kann aber auch einfach mal anderthalb Stunden abschalten und Spaß an endlos verherrlichter Gewalt (mit der FSK 16 Freigabe übertrifft sich die FSK mal wieder selbst) haben ohne sich von den moralischen Dilemmas der ach so deprimierten Batmans und Spidermans der Welt runterziehen zu lassen. Wer Lust auf einen absolut nicht ernst gemeinten Kracher für einen Filmabend mit Männern hat, wird langfristig nicht an Kick Ass vorbeikommen.
9/10



