Veröffentlicht von omahabitch um 17:17 Uhr in Reviews | Noch keine Kommentare

I Spit On Your Grave Movie Killer Queen: I Spit On Your Grave (2010) Review

Als sich die amerikanische Exploitation- und Grindhousewelle in den 70er Jahren auf ihrem Höhepunkt befand, waren es vor allem zwei Filme, die neben Tobe Hoopers Kultfilm Texas Chainsaw Massacre beim Horrorpublikum für Furore sorgten. The Last House On The Left sowie Day Of The Woman (später vom Verleiher in I Spit On Your Grave umbenannt) machten mit ausgedehnten Vergewaltigungs- und Gewaltszenen Schlagzeilen, und sorgten für den Durchbruch des rape and revenge Genres. Beide Filme spalteten ihr Publikum, erschienen in einer Zeit, in der sich sexuelle Revolution und Feminismus auf die prüde amerikanische Gesellschaft stürzten. So gab es bereits damals das eine Lager von Horrorfans, die in diesen Filmen einen anspruchsvollen Subtext, eine Verbildlichung des damaligen amerikanischen Zeitgeist sahen, während vor allem die seriösen Filmkritiker angewidert auf diese Provokationen reagierten. Mit der derzeitigen Welle an Remakes, torture porn und Remakes von torture porn war es nur eine Frage der Zeit bis irgend jemand auf die Idee kommen würde, diese beiden Schocker neu aufzulegen. Doch während das Remake von The Last House On The Left zumindest durch einige atmosphärisch dichte Terrorszenen überzeugen konnte, enttäuscht das I Spit On Your Grave Remake auf ganzer Linie.

Das liegt vor allem daran dass die Macher den damaligen Zeitgeist und seine Aufbereitung im Film entweder nicht erkannt haben oder keine Ideen hatten, wie man die Aussage und Wirkung des Originals auf die Gegenwart anpassen könnte. I Spit On Your Grave ist ein leerer, belangloser und ideenarmer Neuzeithorror vom Fließband, der optisch und formal auf die MTV-Generation zugeschnitten ist. Von der Härte des Originals ist wenig übrig geblieben. Zwar kommt während des Übergriffs der extrem unglaubwürdigen Klischee-Rednecks auf die Protagonistin Jennifer anfangs tatsächlich ein klein wenig Terrorfeeling auf, doch I Spit On Your Grave lässt die Psychoterror Komponente bald zugunsten billigster Effekte und Klischees fallen.

Wie so oft im rape and revenge Genre scheitert I Spit On Your Grave vor allem im zweiten Teil, der Rache der gedemütigten und vergewaltigten Frau an ihren Peinigern. Zu keinem Zeitpunkt nimmt man der Protagonistin ihren Wandel vom braven Mädchen zum Rache-Mastermind ab. Anstatt ihre Gegner direkt, instinktiv und emotional zu töten (wie es im Original noch der Fall war), baut Jennifer Fallen und Tötungsvorrichtungen, die ihr die eigenhändige Rache abnehmen, und eher an den Jigsaw Killer aus SAW erinnern als an eine angepisse Rächerin. Dass sich Jennifer nicht einmal die Tode ihrer Feinde anschaut (was ja eigentlich der Sinn eines Mordes aus Rache ist) offenbart dann auch, wie wenig sich die Autoren mit der Materie des Films beschäftigt haben. Hinzu kommen Dialogszenen, die so sehr vorhersehbar und abgedroschen sind, dass man nur lachend den Kopf schütteln kann.

Auch Spannung kommt während des Racheparts zu keiner Zeit auf. Jennifer, die ja zumindest theoretisch Identifikationsfigur für den Zuschauer sein soll, gerät nie in Gefahr, es steht für sie nie etwas auf dem Spiel. Die Szenen, in denen sie ihre Vergewaltiger ausschaltet sind inhaltlich nicht verknüpft, wirken ideenlos aneinandergereiht.

Auch darstellerisch gleicht I Spit On Your Grave einem Blackberry Sturz ins Klo. Die Rednecks sind flach, eindimensional, der behinderte Bruder, mit dem man wohl versuchte so etwas wie ein moralisches Dilemma in diesen strunzdämlichen Film hineinzuzwängen wird unfreiwillig komisch und absolut unglaubwürdig dargestellt. Auch der fiese Hinterwäldlersheriff ist eine missglückte Hommage an (nein, eine Beleidigung für) R. Lee Ermey im Texas Chainsaw Massacre Remake.

Würde I Spit On Your Grave am Ende nicht einige (eher billig umgesetzte) Goreszenen bieten, die allerdings auch nicht über den heutigen Standard hinausgehen, könnte man diesen Unfall von einem Film nicht einmal Horrorfans wirklich empfehlen. Zu ideenlos, zu sehr und zu schlecht zusammengeklaut, zu belanglos. So wird der Film aufgrund seines in der Szene bekannten und berüchtigten Titels aber sicher sein Publikum finden, im Sinne der Remakewelle im Horrorgenre könnte man also sagen: mission accomplished!
2/10

Trailer

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