Veröffentlicht von omahabitch um 19:26 Uhr in Reviews | Noch keine Kommentare

midnightmeattrain Midnight Meat Train Review

Der junge Fotograf Leon (Bradley Cooper) streift auf der Suche nach dem perfekten Bild durch eine amerikanische Großstadt. Als er eines Abends eine junge Frau vor einer drohenden Vergewaltigung rettet, und diese Frau wenig später spurlos verschwindet, bleibt als letztes Lebenszeichen sein Foto von ihr zurück, das sie beim Einsteigen in die U-Bahn zeigt. Da die Polizei kein richtiges Interesse an dem Fall zu haben scheint, stellt Leon eigene Ermittlungen an und ist bald davon überzeugt, dass eine Reihe von Vermisstenfällen mit dem U-Bahnsystem zusammenhängen.

Midnight Meat Train basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Clive Barker, die für den Film jedoch um einige Plotelemente und Charaktere erweitert werden musste. Dies ist auch durchaus gut gelungen, die Story wirkt in sich schlüssig und man kann nicht wirklich unterscheiden welche Teile auf die Kurzgeschichte zurückgehen, und was hinzugedichtet wurde. Lediglich der Abschnitt, in dem Leon detektivisch in Zeitungsausschnitten recherchiert und dem Geheimnis langsam aber sicher auf die Spur kommt, wirkt etwas uninspiriert. Ansonsten kommt durchaus Spannung auf in diesem Horrorthriller dem man deutlich anmerkt, dass die Vorlage von Clive Barker stammt. Es herrscht eine morbide und bizarre Athmosphäre, die teilweise an die frühen Horrorfilme von David Cronenberg erinnert, der wie Barker die Deformation und Zerstörung von Körpern als zentrales Stilelement nutzt. Körperzerstörung gibt es auch in Midnight Meat Train reichlich. Der Metzger, der da in den dunklen U-Bahnen seinem blutigen Handwerk nachgeht, geht äußerst rabiat vor, schlachtet seine Opfer mit einem Hammer, hängt die nackten Leichen wie Vieh an Fleischerhaken auf. Das ganze hört sich auf dem Papier aber wesentlich schlimmer und drastischer an, als es im Film rüberkommt, denn wenn es darum geht den sich langsam aufbauenden, subtilen Horror der Geschichte filmisch umzusetzen gehen mit dem Regisseur Ryuhei Kitamura (Versus) leider die Pferde durch…

Leider wird die dichte Athmosphäre immer wieder durch Gewaltspitzen unterbrochen, die so billig und mies umgesetzt sind, dass sie einfach nur noch unfreiwillig komisch und lächerlich wirken, dem Film und seiner intensiven Geschichte damit einen großen Teil seiner Härte nehmen. Kitamura zelebriert die Splatterszenen einerseits zwar ausführlich und ohne Zurückhaltung, stösst dabei aber entweder an die Grenzen des Budgets und/oder seines eigenen Talents, den das CGI-Blut das hier spritzt gibt sich nicht einmal Mühe, echt zu wirken. Insbesondere eine Szene in der ein Opfer seine Augen verliert (ohne zu viel verraten zu wollen) dürfe beim Publikum eher Lachkrämpfe als Schocks auslösen. Das passt so gar nicht zur eher traditionellen und düsteren Grundstimmung des Films. Überhaupt scheint Kitamura den Fokus eher auf Optik und Ästhetik zu legen. Teilweise zeigt er sogar etwas Talent, wenn es an die Actionszenen geht und die Kamera stylish über U-Bahnzüge fliegt oder um sie herum wirbelt, vor allem der Showdown zwischen Leon und Mahogany ist beeindruckend inszeniert. Bei den angesprochenen Splatterszenen wäre weniger aber auf jeden Fall mehr gewesen.

Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt recht ordentlich, getragen wird der Film aber sicher von Vinnie Jones, der mit seiner imposanten Erscheinung und stark limitierten Mimik den Killer Mahogany zu einem bedrohlichen Alptraum von einem Metzger macht.

In den letzten Minuten des Films, als die Geschichte den Weg von einem spannenden Thriller zu einer bizarren, Barker-typischen Horrormär nimmt, blitzt noch einmal die Genialität der Vorlage auf. Hier können dann plötzlich auch die Spezialeffekte überzeugen und Kitamura wahrt wenigstens im Finale sein Gesicht. Insgesamt ein überdurchschnittlicher, düsterer Horror-Thriller, der stellenweise durch überzogene und billig wirkende Effekte leider einiges an seiner Effektivität einbüßt.

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