
Wenn es ein Horrorgenre gibt das frische Ideen am nötigsten hat, ist es wohl der Zombiefilm. Ausgelutscht seit bestimmt 20 Jahren sind es vor allem die kleinen Produktionen, die versuchen frischen Wind in diese Sparte zu bringen. Pontypool besinnt sich mit seinem Kammerspielsetting und überschaubarem Budget auf Urgesteine des klaustrophobischen Horrors wie John Carpenters Assault On Precinct 13. Keine neue Idee also, aber immer noch unverbraucht genug für einen spannenden, kleinen Thriller.
Im Zentrum der Geschichte stehen Grant Mazzy, der Moderator einer Radiosendung in der kanadischen Einöde, sowie dessen Produzentin Sidney und die Assistentin Laurie. Als Mazzy in der Sendung über mysteriöse gewaltbereite Mobs berichtet, die sich ohne ersichtlichen Anlass überall in der Stadt bilden, beginnt die Situation zu eskalieren und das Team befindet sich selbst in Gefahr.
Was Pontypool von üblichen modernen Horrorfilmen unterscheidet, und ihn deshalb aus dieser Masse heraushebt, ist die konsequente Durchhaltung der Tatsache, dass man die Bedrohung als Zuschauer nicht sieht, sondern höchstens hört. Man wird selbst Zeuge von Mazzys Versuchen, den Geschehnissen einen Sinn zu geben, bekommt die hektischen Beschreibungen seiner Interviewpartner mit, spürt, dass irgendetwas Schreckliches passiert, sieht aber selbst nur Mazzys Gesicht sowie seine Reaktion. Das funktioniert auch überraschend gut, was vor allem an Stephen McHatties beeindruckender Verkörperung des liebenswerten Arschlochs à la Dr. House liegt. Es baut sich schnell eine bedrohliche Stimmung auf, die durch das enge Setting (der komplette Film spielt in dem kleinen Radiosender) noch unangenehmer wird.
Diese zwar sehr atmosphärische aber eben auch ereignisarme Grundstimmung mag viele Horrorfans abschrecken, einige durchgedrehte, fast schon surreale Momente werden ihr übriges tun. Dennoch oder gerade deswegen ist Pontypool zumindest in seiner ersten Hälfte aber eine gelungene Hommage an die frühen Horrorfilme, in denen Angst noch durch Stimmung, nicht durch explizite Bilder erzeugt wurde. Leider verfällt der Film dann bald doch in etwas zu arge Klischees, wenn beispielsweise aus dem Nichts plötzlich ein Arzt zum Dreierensemble stößt, der natürlich für alle Vorkommnisse eine Erklärung parat hat. Auch kann Pontypool leider nicht die ganze Spielzeit mit seiner eigentlich sehr interessanten Prämisse füllen, und so hat der Film am Ende leider doch einige Längen und wird der sehr gut gelungenen ersten Hälfte nicht mehr gerecht. Wer auf Splatter verzichten kann und charakterbasierten, gut gespielten Horror mag, sollte Pontypool aber unbedingt eine Chance geben.

- OT: Deadgirl
Land / Jahr: Kanada / 2008
Regie: Bruce McDonald
Darsteller: Stephen McHattie, Lisa Houle, Georgina Reilly
Laufzeit: 96 Minuten
FSK / MPAA: noch nicht geprüft / R
IMDb: http://www.imdb.com/title/tt1226681/


