Splice Review
Veröffentlicht von omahabitch um 20:08 Uhr in Reviews | Noch keine Kommentare

Das Forscherpärchen Elsa (Sarah Polly) und Clive (Adrien Brody) kreuzen in ihrem Labor die DNA verschiedener Tierarten, um aus deren Genen Medikamente gegen menschliche Krankheiten gewinnen zu können. Doch der Chefetage ihres Konzerns geht die Entwicklung nicht schnell genug voran. Um ihr Projekt zu retten, mixen die beiden daraufhin menschliche DNA in den Gencocktail.
Wissenschaftler, die Gott spielen und dabei aus Neugier die Grenzen des moralisch Vertretbaren überschreiten liefern seit jeher interessanten Stoff für Sci-Fi-Horrorgeschichten der unterschiedlichsten Facetten. Doch während Geschichten wie “Frankenstein”, “Re-Animator”, “Die Fliege” oder “Jurassic Park” die monströsen Konsequenzen der Experimente im Vordergrund stellen und hierüber den Horror schaffen, legt Regisseur Vincenzo Natali („Cube“, „Cypher“, „Nothing“) den Fokus auf die Menschen und wie diese auf die Ereignisse reagieren. Splice wird dadurch über weite Strecken zu einem charakterbasierten Drama mit Science Fiction Elementen, bei dem die Protagonisten Elsa und Clive im Vordergrund stehen, nicht die Kreatur.
Tatsächlich funktioniert dieser Betrachtungswinkel überraschend gut, die Dynamik zwischen beiden Teilen des Pärchens ist von Anfang an interessant und wird durch ihre unterschiedlichen Reaktionen auf das seltsame Adoptivkind wider Willen auf ein neues Level katapultiert. Während Clive in der Beziehung derjenige mit dem Kinderwunsch ist und Elsa davon nichts wissen will, ist sie doch diejenige, die mütterliche Gefühle für die liebevoll „Dren“ („Nerd“ rückwärts) getaufte Kreatur entwickelt, während Clive zunächst nicht von seiner wissenschaftlich-distanzierten Betrachtung des Wesens abrückt.
Natali inszeniert den klassischen Horrorstoff also eher als eigenwilliges Beziehungsdrama mit leichten Horroranklängen, das dürfte viele Zuschauer die hier einen Kracher wie „Species“ erwarten enttäuschen, lässt man sich aber darauf ein, wird man mit einem spannenden Psychogramm über falschen Ehrgeiz und wissenschaftliche Ignoranz und Arroganz belohnt.
Optisch zieht Natali, dem bereits seit „Cube“ ein Ruf als Visionär vorauseilt, wieder alle Register. Bereits die opening credits, die einen Geburtsvorgang aus der Egoperspektive des Fötus zeigen, machen Eindruck. Auch im Rest des Films spielt Natali immer wieder mit interessanten Kameraperspektiven und Bildern. Wesentlich zur optischen Brillianz von Splice trägt auch das für einen Film dieses Maßstabs erstaunlich gute CGI sowie das Design Drens bei. Während die Kreatur zu Beginn noch komplett computergeneriert wurde, wird sie später von einer Schauspielerin (Delphine Chanéac) verkörpert, die trotz des etwas vefremdeten, nur andeutungsweise menschlichen Gesichts mit ihrer Mimik eine Unmenge an Emotionen zum Ausdruck bringt.
Am Ende opfert Natali die originelle Idee seines Sci-Fi Dramas dann leider doch noch einem typischen creature horror Showdown, bei dem die komplizierten emotionalen Verhältnisse zwischen Dren und ihren „Eltern“ auf der Strecke bleiben, wohl ein Zugeständnis an das diesmal doch ein bisschen höhere Budget.



