
17 lange Jahre ist es her, seit Sam Raimi mit Armee der Finsternis seinen letzten richtigen Horrorfilm gedreht hat, und das obwohl sich der damals gerade 21jährige Regisseur mit Tanz der Teufel ausgerechnet in diesem Genre einen Namen als Kultregisseur machte. Raimi schien seine Zeit und Mühe lieber in kommerziell effektivere Blockbuster wie die Spiderman Filme zu stecken. Umso mehr waren seine Fans der ersten Stunde aus dem Häuschen, als er mit Drag Me To Hell einen neuen Horrorfilm ankündigte, und das Warten hat sich tatsächlich gelohnt.
Bereits der Vorspann macht deutlich, wohin die Reise für Raimi gehen soll. Statt dem modernen CGI-animierten Universallogo bekommt man im Kino noch einmal die etwas verwaschen und angestaubt aussehende Erdkugel mitsamt Universal Schriftzug zu Gesicht, das seit den 80er Jahren ausgestorben war. „Back to the roots“ also, da kommt Freude auf. Und tatsächlich wirkt Drag Me To Hell, als hätte Raimi nie aufgehört Horrorfilme zu drehen. Bereits die Eröffnungsszene, in der unsichtbare Dämonen Menschen während einem gescheiterten Exorzismus unsanft durch die Luft wirbeln bietet den Fans alles, was sie an Raimi spätestens seit Tanz der Teufel 2 lieben: Übertriebene, sich fast im Slapstick Bereich bewegende Horroraction.
Auch Christine Brown (Alison Lohman), die Heldin des Films erinnert erfrischend an Bruce Campbells Paraderolle Ash, der ursprünglich auch ein völlig normaler Nobody war, und später im Kampf gegen übernatürliche Kräfte über sich hinauswachsen musste.
Und wenn Christine im Verlauf des Films im strömenden Regen eine Leiche ausbuddelt, um ihr den Fluch zurückzugeben inszeniert Raimi seine Hauptfigur ebenso wie seinen damaligen Helden als heldenhafte Horrorikone, wenn auch mit einem kleinen Augenzwinkern und Selbstironie.
Diese Selbstironie ist es auch, die Drag Me To Hell so gut macht. Während einige Fans enttäuscht waren, dass sie von Raimis neuem PG-13 Film keine Hardcore Splatterszenen serviert bekommen, ersetzt der Regisseur diese durch einige extreme Ekelszenen, die auch nicht viel weniger krass sind als zu Tanz der Teufel Zeiten, nur eben weniger blutig und tatsächlich lustig. Die Balance zwischen Horror und ständigem comic relief gelingt ausgesprochen gut, da die humorvollen Szenen nie erzwungen wirken sondern sich gut in den Grundton des Films einfügen.
Sam Raimi zeigt Hollywood und diversen importierten japanischen Regisseuren mit Drag Me To Hell wie PG-13 Horror aussehen muss, damit er funktioniert. Den Vogel schießt Raimi dann am Ende des Films ab, als er den bis dahin eher lockeren und spaßigen Grundton des Films plötzlich herumreißt und das Publikum mit offenen Mündern im Kino zurücklässt.
Raimi ist zurück, das ist jedenfalls mein Eindruck nach Drag Me To Hell, bleibt zu hoffen dass er mit diesem Film wieder Blut für das Horrorgenre geleckt hat und dies nicht sein letzter Funschocker war.
