Veröffentlicht von Frankie um 01:45 Uhr in Reviews | Noch keine Kommentare

24 The Expendables   Review
Man hat es heutzutage nicht leicht als Actionfan (mittleren Alters). War vor gut 20 Jahren die (Film)Welt noch in Ordnung und Leute wie Stallone, Schwarzenegger und Willis sorgten für Gerechtigkeit auf der Leinwand, so bekommt man jetzt Hänflinge in Comicverfilmungen oder halbseidenen Re-Boots vorgesetzt, die sich durch CGI-Welten kämpfen und zu allem Überfluss schwebt über all dem das Damokles-Schwert der PG-13 Freigabe. Wie eine Befreiung kam anno 2008 Stallones John Rambo daher, der die Männerherzen zurück in die 80er schoss. Ein neuer Heiland ward geboren, nachdem er schon Rocky Balboa aus dem Veteranenheim auf die Leinwand zurückbrachte. Nun schreiben wir das Jahr 2010 und erneut nimmt Sly den Zuschauer auf eine Zeitreise mit. The Expendables, das ist der wahr gewordene Traum tausender Actionfans: Ein Ensemble-Film mit vielen alten und neuen Stars des Genres, inszeniert im Stile der 80s/90s – primitiv aber unterhaltsam. Wer also schon damals mit Filmen wie Phantom Kommando oder Rambo III nichts anfangen konnte, der wird auch mit The Expendables nur schwer glücklich werden.

Der Rest genießt indes das Auflaufen jener Söldnertruppe, die von Barney Ross (Sylvester Stallone) angeführt wird und immer dann gerufen wird, wenn sich staatliche Institutionen nicht die Hände schmutzig machen wollen. So wird dann in der Eröffnungssequenz auch gleich ein von somalischen Piraten entführtes Schiff fachmännisch befreit. Wie es sich für einen Men on a Mission-Film gehört, besteht der Trupp aus unterschiedlichen Spezialisten, darunter der Messerexperte Lee (Jason Statham), der Martial Arts-Kämpfer Ying (Jet Li) oder die Männer fürs Grobe wie Hale (Terry Crews) oder Gunner (Dolph Lundgren). Letzterer übertreibt es dann auch gleich ein wenig, sprengt erst einen Piraten mittels Granatwerfer in tausend Stücke, um den nächsten kurzerhand zu hängen.17 300x199 The Expendables   Review
Das Ganze ist dann auch erwartungsgemäß zünftig inszeniert, sodass dem Exitus des Einen auch stets ein markiger Oneliner des Anderen folgt und so fühlt man sich in diesen Momenten durchaus um Jahre zurückversetzt.

Gleiches gilt aber auch für die inhaltlichen Schwächen des Films, denn nach der markigen Opening Sequence beginnt auch gleich das Vorgeplänkel für das große Finale und die eigentliche Story des Films wird vorbereitet. Angeheuert von einer anonymen Institution – diejenigen, die den Trailer noch nicht gesehen haben, werden angesichts der Szenen freudig überrascht sein – gilt es, einen fiesen lateinamerikanischen Diktator auf einer kleinen Insel zu beseitigen. Auch wenn hier immer wieder kürzere Actionszenen das Geschehen aufheitern, sind die nächsten Minuten dadurch geprägt, dass entweder Aufklärungsarbeit auf dem Eiland geleistet wird oder man sich um die zwischenmenschlichen Probleme daheim kümmert. Speziell Stathams Charakter steht dann im Mittelpunkt und während man vom Rest wenig erfährt: Li, Rourke oder Stallone, darf Lee um seine Freundin kämpfen. Ein Versuch der Story, die sonst auf jeden Bierdeckel passt, Tiefe zu verleihen? So klischeehaft wie das restliche Vorgehen im Film wird dann auch jener Akt abgehakt und man merkt, dass das Storytelling hier nicht im Mittelpunkt steht. Das ist aber insofern problematisch, als dass es eben auch nicht Action am laufenden Band zu bestaunen gibt und so muss man sich durch diese Episoden durchhangeln, wenn z.B. Rourke mit zittriger Stimme seine Kriegsgeschichtlein erzählt.
Warum man in der Zeit nicht näher auf Lundgrens Charakter eingegangen ist, der ja durchaus das Potential hat, ist auch ein wenig schade, so bleibt er neben Jet Li von den namhaften Leuten noch am blassesten.28 300x199 The Expendables   Review

Sind jene zähen Minütlein aber überwunden, wird wieder ordentlich auf die Kacke gehauen, wenn dann nun endlich die Insel gestürmt wird. Auch hier tobt man sich prächtig aus, verteilt diverse Gewaltspitzen, die zum Teil an John Rambo erinnern. Störend sind hier aber zwei Dinge: auf die moderne Wackelkamera kann auch Stallone nicht ganz verzichten. Letzteres gilt auch für den schnellen Schnitt in den Actionszenen, der sicherlich auch das Alter der Protagonisten etwas kaschieren soll. Ebenfalls negativ auffallend ist die Tatsache, dass der Film stellenweise billig aussieht, was an der F/X liegt. Speziell die Feuerszene ist für eine Majorproduktion peinlich und auch die Explosionen hat man bei Genrebrüdern schon besser gesehen. Nach einem Budget von kolportierten $ 85 Mio. sieht das nicht aus. Insgesamt trübt das den Spaß der Szenen jedoch nicht besonders stark und so erfreut man sich lieber an der Wucht der automatischen Schrotflinte in der Hand von Terry Crews – sicherlich nicht nur mein Highlight des Films.

Was bleibt abschließend zu sagen? Die Story kann man getrost knicken und in ihrer Komplexität passt sie auf einen Notizzettel. Gerade deshalb verlieren aber die „Lückenfüller“ im Mittelteil so an Wirkung, weil sie entweder nichtig sind oder nur als Vorspiel für das große Finale gesehen werden. Spannung oder gar Emotionen werden nicht aufgebaut. Auch Charakterentwicklung gibt es nicht und wie es eigentlich zu erwarten war, kommt der Cast dann auch zu kurz, was bei den im Film auftauchenden Schauspielern stellenweise schade ist. So kann The Expendables vor allem mit seiner selbstironischen Inszenierung punkten, den zünftigen Onelinern und harten Actionszenen und so fühlt man sich für knapp zwei Stunden durchaus um Jahre zurückversetzt. 6,5/10

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