
Die deutsche Filmindustrie ist ja nicht gerade für spannende Thriller- oder Horrorfilme bekannt, das überlässt man lieber den Amerikanern, obwohl Filme wie Tattoo, Das Experiment und Antikörper durchaus gezeigt haben, dass ab und an auch hierzulande interessante Thrillerproduktionen entstehen. Hinter Kaifeck ist zumindest an der Oberfläche ein durchaus solider Mystery-Thriller, der sich an internationalen Standards messen lassen kann.
Auf der Suche nach Motiven für sein Buch über bayerische Bräuche und Traditionen verschlägt es den Fotografen Marc (Benno Fürmann) mit seinem Sohn in das abgelegene bayerische Dorf Hinterkaifeck. Bald wird er von kryptischen Alpträumen und Visionen geplagt, die in Verbindung mit einem grausamen Mord zu stehen scheinen, der sich hier vor 80 Jahren ereignet hat.
Hinter Kaifeck versteht es von Anfang an, eine intensive und unheilvolle Stimmung aufzubauen, und verzichtet dabei erfreulicherweise auf zu viele vorhersehbare Schockmomente. Der Gruselfaktor ergibt sich hier eher aus der ruhigen Erzählweise in Verbindung mit den grauen Bildern des ständig von dichten Nebelschwaden umgebenen Dorfes. Die rätselhaften Visionen der Hauptfigur sorgen schnell für Suspense und es dauert nicht lange bis dem Zuschauer die einzelnen Puzzlestücke präsentiert werden, die das Rätsel um Marcs Verbindung mit dem Mordfall Stück für Stück offenbaren.
Die Regisseurin Esther Gronenborn ergänzt das Ratespiel durch eine beeindruckende Bildästhetik, vor allem die bedrohlichen Traumszenen werden audiovisuell hervorragend inszeniert, handwerklich braucht Hinter Kaifeck hier keinen Vergleich mit Hollywood zu scheuen. Leider ist Benno Fürmann mit seiner Rolle im Gegensatz zu Alexandra Maria Lara, die hier wie gewohnt eine solide Vorstellung abliefert, sichtlich überfordert. Er wirkt hölzern und unsympathisch, in den Dialogen hat man fast das Gefühl er würde seinen Text ablesen.
Darüber hinaus geht Hinter Kaifeck nach dem großen Twist leider schnell die Luft aus. Auch wenn die Lösung des Rätsels noch durchaus Sinn macht, kippt der zuvor so angenehm atmosphärische Grusler schnell in altbekannte Action und abgedroschene Klischees. Das ist schade, weil der Film das eigentlich gar nicht nötig hätte. So bleibt Hinter Kaifeck ein vor allem zu Beginn spannender und handwerklich beeindruckender deutscher Thriller auf internationalem Niveau, der inhaltlich aber leider nichts Neues zu bieten hat. 6,5/10









“sorgen für Suspense” – ? Das Wort steht nun wirklich nicht im Wahrig… Spannung hättes doch auch getan.