Unter Kontrolle (Surveillance) Review
Veröffentlicht von omahabitch um 00:18 Uhr in Reviews | Noch keine Kommentare

Fünfzehn Jahre hat es gedauert, bis sich Jennifer Lynch nach ihrem Erstlingswerk Boxing Helena von 1993 wieder hinter die Kamera traute. Die Kritiker hassten den Film, schrieben ihn in Grund und Boden und machten selbst vor persönlichen Anfeindungen und Beleidigungen gegen die Regisseurin keinen Halt. Dabei war der Film garnicht so schlecht. Provokant und neben der Spur, sicher aber sicher nicht schlecht. Trotzdem hat diese Kritikerschelte Spuren hinterlassen und Lynch zog sich von der Filmemacherei zurück. Umso größer die Überraschung, als sie sich 2008 mit Surveillance zurückmeldete. Vor allem die Fans ihres berühmten Vaters David Lynch erhofften sich von dessen Tochter einen ähnlichen Output. Und in gewisser Weise enttäuscht Lynch diese Erwartungen auch nicht. Surveillance ist ein eigenwilliger Film jenseits des Mainstreams, aber gut ist er leider nicht.
Zu Beginn der Geschichte treffen zwei FBI Agenten (alt und dick geworden: Bill Pullman und ebenfalls alt geworden: Julia Ormond) in einem kleinen US-Städtchen ein um dem dortigen Sheriff und seinen unfähigen Dorfpolizisten bei der Aufklärung eines Mordfalls auf dem Highway behilflich zu sein. Ebenfalls anwesend sind ein paar Zeugen, die alles beobachtet haben. Im Verhör erzählt jeder die Geschehnisse aus seiner eigenen Perspektive, wobei die Geschichten je nach Erzähler beträchtlich auseinandergehen. Kommt euch das bekannt vor? Abgedroschenes DVD-Premieren Thrillermotiv, dessen sich Lynch hier bedient. Ab und zu schaffen es Thriller ja noch diesem Konzept etwas neues, originelles abzugewinnen, aber das bekommt Frau Lynch irgendwie nicht gebacken. Die Charaktere und Plotelemente sind absolut unoriginell, klischeemäßig gezeichnet und altbacken. Es will einfach keine Spannung aufkommen.
Das liegt vielleicht auch daran, dass Lynch erst viel zu spät enthüllt was grnau eigentlich dieser mysteriöse Vorfall sein soll, der Anlass für die Geschichte gibt. Der Plot dümpelt ohne festes Ziel vor sich dahin, wenn man als Zuschauer dann endlich eingeweiht wird ist das ganze erstens viel zu unspektakulär und zweitens zu spät weil man innerlich schon längst abgeschaltet hat. Aber um die paar aufmerksamen Zuschauer zu belohnen, die es bis zum Schluss ausgehalten haben, baut Lynch noch einen waschechten Plottwist ein der allerdings so unplausibel und an den Haaren herbeigezogen ist, dass der gewünscht “Ahaaaa!!” Effekt ausbleibt. Plottwists funktionieren in der Regel nur dann, wenn der Zuschauer durch den Twist überrascht wird und im Nachhinein betrachtet die gesamte Geschichte richtig zusammenpasst, im Film also Fährten gelegt werden, die erst in der Retrospektive als solche erkennbar sind. Lynchs Twist ist zwar überraschend aber kommt völlig aus dem Blauen, ohne irgendwie plausibel im Plot verwurzelt zu sein.
Wer also von Jennifer Lynch erwartet hat, dass sie sich mit Surveillance wie Phoenix aus der Asche zurückmeldet wird leider bitter enttäuscht. Dabei zeigt Lynch mit Surveillance durchaus dass sie ein gutes Auge hat, fängt in den Szenen auf der Polizeiwoche die kühle, klaustrophobische Stimmung wunderbar ein und zeigt ein paar durchaus nett anzusehende Bilder. Aber das reicht eben nicht wenn das Drehbuch Müll ist.
![]()
OT: Watchmen USA 2009 R: Zack Snyder D: Jackie Earl Haley, Billy Crudup, Jeffrey Dean Morgan, Patrick Wilson IMDb: http://www.imdb.com/title/tt0409459/



